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Wollen Taucher noch gedruckte Magazine?

01.10.11 - Auflagen im freien Fall - Immer weniger Werbeeinnahmen - Abtauchende Chefredakteure

Wollen Taucher noch gedruckte Magazine?

Auf Nullzeit.at gibt es einen interessanten Bericht über den Niedergang der Kaufmagazine in der Tauchbranche. Chefredakteure werden ausgetauscht, aber trotzdem ist der Fall nicht aufzuhalten. Braucht die Branche keine Printmagazine mehr? Hier mein Kommentar dazu:

 

Ich versuche das komplexe Thema mal aus der Sicht eines "Insiders" zu erläutern.
Interessiert sicher nicht jeden, aber vielleicht regt es mal zum Denken und diskutieren an.

 

Ich möchte nicht unsere Mitbewerber - die Kaufmagazine - in Schutz nehmen, aber das Blätterwald-Rauschen ist zum Teil auch eine Folge des Rauschen in der ganzen Tauchszene. In den letzten Monaten sind verschiedene Firmen in finanzielle Schwierigkeiten gekommen, haben geschlossen oder versuchen die Aschewolke und die Ägyptenkrise durch Sparen an der Werbung auszugleichen. Wo kein Geld ist, kann man nichts ausgeben.

 

Natürlich ist das Reduzieren oder Streichen der Werbung eine schnelle effiziente Möglichkeit kurzfristig den Gewinn zu verbessern. Genauso kann man ja auch bei einem Flugzeug den Motor abstellen, wenn man erstmal oben ist. Kurz geht das, aber irgendwann wird man feststellen, dass die Idee auf Dauer suboptimal ist.

 

In der Tauchbranche ist Trend zu den Online-Medien sicher mindestens genauso stark, wie anderswo. Internet ist schnell, einfach und billiger als Print und daher eine preiswerte Alternative. Aber Internet funktioniert allein nicht - vielleicht noch nicht. Warum sollten sonst Firmen wie e-Bay, Amazone, 1&1 .... so massiv im Print mit Anzeigen vertreten sein?

 

Print hat nach wie vor die Aufgabe, den Bedarf beim Leser zu wecken und ihn zum Träumen anzuregen. Ist der Denkapperat erstmal angesprungen, geht die Reise unweigerlich ins Web, wo man sich gezielte Informationen sucht. Und da gibt es eben mehr oder weniger qualifizierte Möglichkeiten. Jeder muss selber für sich entscheiden, ob er in Foren die Weisheit sucht, oder ob er journalistisch sauber recherchierte Beiträge bevorzugt. Beides ist in der Regel nicht objektiv. Wer das möchte, sollte nur die technischen Daten vergleichen und selbst die sind eigentlich unwichtig. Es gibt gesetzliche Vorgaben, so dass jeder erwarten kann, dass er mit seinem Equipment überleben wird. Vieles ist Geschmacksache. Die heute besuchte Hotelanlage, kann morgen einen neuen Manager bekommen. Dann sieht dort auch alles anders aus. Also 100% objektiv ist kaum machbar und nur ein Traum von Leuten, die nicht hinter die Kulissen sehen.

 

Ich unterstelle jedem Journalisten, dass er aus seiner Sicht einen objektiven Bericht abliefern möchte. Jedoch hat jeder Mensch andere Erwartungen und Ansprüche. Sicher gibt es Bevorzugungen und eine Vor-Auswahl von Produkten oder Reisezielen. Beim SeaStar Magazin sehen wir natürlich zu, dass zunächst unsere Kunden im Magazin unter kommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir schlechte Produkte schön schreiben und dies wird bei den anderen Medien auch nicht anders sein.

 

Wir haben diese Gratwanderung seit je her nicht mitgemacht und uns auf reine Produktvorstellungen beschränkt. Eine Gegenüberstellung der technischen Daten vielleicht noch und dann wird auf den Fachhandel verwiesen, der besser beraten kann als die meisten Redakteure. Noch so gut gemeinte Tests gehen meist nach hinten los. Letztlich muss ich jede selber überlegen, was zu Ihm passt. Das iPhone ist in vielen Disziplinen weit hinter der Konkurrenz und trotzdem unangefochten Marktführer. Wozu also Test?

 

Jetzt wieder zu den Kaufmagazinen. Mit den oben genanten "Sparmaßnahmen" beginnt dann jedoch der Teufelskreis. Die rapide sinkenden Verkaufszahlen erfordern, dass auch die Kosten gesenkt werden müssen. Mit den wegbrechenden Kunden fallen auch die Inserenten weg. Die sehen nicht ein, die hohen Preise von vor 5 Jahren zu zahlen und dafür nur noch die Hälfte der Leser zu erreichen.

 

Keine Verkäufe und keine Anzeigen beschleunigen weiter die Abwärtsspirale. Man muss den beiden "großen" jedoch zu Gute halten, dass die Magazine seit Monaten sensationell gemacht sind. Sie übertreffen sich mit Hochglanz, super Bildern und interessanten Artikeln und trotzdem fallen die Leser weg. Innerhalb von nicht mal einem Jahr wurden bei beiden die führenden Köpfe ausgetauscht. Nur was sollen die Nachfolger bewirken? Das Himmelfahrtskommando Chefredaktion beim Printmagazin kann nur scheitern, weil die guten alten Zeiten nicht mehr zurück kommen werden. Ich drücke den Nachfolgern wirklich die Daumen und bin gespannt, wie Ihr Rezept für die Zukunft aussieht.

 

Als Trost kann man anführen, dass dies alles kein Problem der Tauchbranche ist. Ich habe neben dem SeaStar Magazin seit 1982 die Lokalzeitung KLEEBLATT im Verlag, die sich ebenfalls von Werbung finanziert. Vor Jahren wurde die lokale Tageszeitung eingestellt und jetzt kämpfen die angrenzenden alteingesessenen seriösen Zeitungen um die Abonnenten und das Überleben. Auch hier sind die Auflagen im freien Fall. Man könnte so im gesamten Blätterwald fortfahren...

 

Dieser Trend ist jedoch seit Jahren absehbar gewesen.

 

2005 riefen wir den Abenteuer-Event "SeaStar Discovery" ins Leben, wo es darum geht, dass neue Leute für das Tauchen begeistert werden. Mittlerweile ist der fest mit Facebook vernetzt und hat sensationelle Zugriffszahlen. Selbst branchenfremde Medien und das Fernsehen berichten intensiv über die Aktivitäten der Kandidaten auf dem Weg zum Tauchschein. Solche Events braucht die Branche viel mehr, damit der Nachwuchs gesichert ist.

 

2006 startete SeaStar als erster in der Szene mit Bewegtbild-Produktion mit einem eigenen Web-Player. Mittlerweile ist dieses ein wichtiges Standbein geworden und generiert pro Tag mehrere tausend Filmaufrufe, auch viele ausserhalb der Tauchbranche.

 

2009 waren wir die ersten, die mit mySeaStar ein soziales Netzwerk für Taucher ins Leben gerufen haben. Wir waren "damals" Kopf an Kopf mit den Funktionen von facebook und haben dort spezielle Features wie Online-Logbuch, iPhone App, Bildergalerien und interaktive Tauchplatzkarte.

 

Unser 1997 in Leben gerufene TauchSport/SeaStar Magazin hat bis zum heutigen Tage auch einige Wandlungen durchgemacht. Es ist immer noch kostenlos und unsere Vertriebspartner sind immer noch der Fachhandel, die Tauchvereine und die AIDA Clubschiffe. Wir verzichten weiterhin auf Dumping-Werbung und Internet-Preise und wir haben immer noch keine vergleichende Testberichte im Heft. Mache Innovationen sind einigen Inserenten sicher zuviel gewesen. Es ist eben bequem, wenn man Jahrzehnte lang das Gleiche macht. Daran hat man sich gewöhnt. Das Dumme ist nur, dass nichts so Beständig ist, wie die Veränderung.

 

Stillstand bedeutet Rückschritt und das bekommen viele Magazine jetzt zu spüren. Schon seit Jahren gibt es das SeaStar Magazin kostenlos online zum herunterladen im Internet oder man kann es am Bildschirm komplett durchblättern. Mit der Funktion waren wir ebenfalls die ersten und haben mittlerweile mehr Online-Zugriffe, als die Kaufmagazine Leser am Kiosk.

 

Dummerweise trifft die Werbemüdigkeit und der Überdruss der Kunden gegenüber "den" Print-Magazinen auch SeaStar. Da es sich allein durch Werbung finanziert, haben wir die perverse Situation, dass viele Leser danach verlangen, das Magazin beim Fachhandel gefragt und beliebt ist, aber die Werbeeinnahmen uns herunter bremsen.

 

Zum Glück boomen aber die anderen Standbeine. Die Filmproduktion sowie unser medienwirksamer Event gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das merkt jetzt auch langsam die Branche. Dafür werden, ohne mit der Wimper zu zucken, mehrere tausend Euro Budget locker gemacht. Im Gegenzug sind die geforderten Rabatte für Print-Werbung bald im "dreistelligen" Bereich. Gesund ist das nicht, aber man muss ja nicht jeden Trend mitmachen.

 

SeaStar arbeitet seit einiger Zeit an eine iPad Ausgabe. Die wird jedoch keine 1:1 Umsetzung der Druck-PDF, sondern soll multimedial vollgestopft mit Filmen und Fotos sein. Ein echter Mehrwert für den Leser. Darauf haben wir seit Jahren hingearbeitet und jetzt kann man Print, Internet und Film zusammenfügen - Apple sei Dank. Also beim kommenden Weihnachtsfest nicht vergessen, den iPad unter dem Baum zu wünschen!

 

Das löst jetzt aber immer noch nicht das Problem der Druckbranche. Meiner Meinung nach könnten aus den derzeit über acht Tauchmagazinen vielleicht die Hälfte noch vom reduzierten Werbekuchen existieren - sinkende Tendenz. Das Dahinsiechen wird weiter gehen und man darf gespannt sein, wer wie lange noch Puste hat, um so weiter zu machen, wie bisher.

 

So - das war jetzt das Wort zum Sonntag und sicher nur für wenige interessant. Es sollte auch keine Werbeveranstaltung für SeaStar sein. Das Magazin ist ja ebenso von der Werbemüdigkeit betroffen, wie alle anderen. Wir denken aber weiter über zukunftssichere Lösungen nach und sind gespannt, wie die Kollegen das Problem meistern wollen.

 

Manche Dinge vermisst man ja erst, wenn Sie nicht mehr da sind. Das war mit Tante-Emma-Läden so, mit dem Eis an den Polkappen und mit den Haien im Meer. Mit iPad Magazinen kann man aber keine nassen Neopren-Schuhe ausstopfen und Fische einwickeln muss man ja bald nicht mehr, da die ja auch immer weniger werden.
 





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