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Diving Day Lindau

27.05.10 - „Naturschutz ist nach wie vor umstritten, wenn's konkret wird.“

Diving Day Lindau Die Sonne schien in Strömen, als am Samstag, dem 15.05.2010, beim ersten „Unterberger Diving Day“ rund 40 Taucher ins Hafenbecken stiegen.
„Wenn ihr da unten aus dem Schlamm heraus angelächelt werdet, dann sind das vielleicht die vermissten dritten Zähne, die uns gemeldet wurden“, meinte Moderator Christoph Scheule vom B5.
Ja, es hätte auch ein warmer Frühlingsabend sein können, so mitten im
Mai. Aber das war es nicht. Im Gegenteil:
Nass, kalt, düster. Den Tauchern
macht das nichts aus; denn sobald die
den Kopf unter Wasser haben, ist ihnen
das Wetter oben egal. In Booten der Wasserwacht werden sie ab 19 Uhr, als das letzte Schiff der Bodensee-
Schifffahrt den Hafen verlassen hat, zu den Einstiegstellen gebracht.
Etwa dreieinhalb Meter ist das Wasser
im Hafenbecken tief. In voller, etwa
30 Kilogramm schwerer Ausrüstung,
beinahe wie für einen Spazierganz
auf dem Mond, lassen sie sich ins Wasser
fallen. Und werden sofort federleicht.
Sie sind alle registriert und für
jeweils zwei Taucher ist ein Mann vom
THW zuständig – hat sie im wahrsten
Sinne des Wortes an der Leine. Zuvor
werden Zeichen für „rechts“, „links“,
„Achtung!“ und „sofort auftauchen!“
vereinbart.
Was sie nach kurzer Zeit an die
Oberfläche befördern, kann sich sehen
lassen. Hinter dem Mangturm auf einen Haufen gelegt, bilden die Fundstücke schon nach dem ersten Tauchgang ein richtig künstlerisches Stillleben, dem ein gewisser Charme nicht abgesprochen werden kann:

ein alter Abfallkorb, eine Promenadenbank, ein alter Eisenkübel, eine Kabeltrommel, ein Bootshaken, Flaschen, Dosen...und vieles mehr, einträchtig beisammen.
Die Taucher erzählen, dass sie unten
kaum einen Meter weit sehen und, um etwas zu finden, auf Tuchfühlung
mit dem schlammigen Grund gehen müssen. Wo um alles in der Welt liegt nur der Reiz am Tauchen unter solch widrigen Umständen? Philippe Busson aus Langenargen bringt es auf den Punkt: „Es ist dunkel, kalt,
dreckig – also ein echtes Abenteuer!“
sagt er nach seinem Tauchgang begeistert.
Außerdem mache es natürlich einen beträchtlichen Reiz aus, dass man sonst im bayerischen Teil des Bodensees nicht tauchen darf.
„Das dürfen sonst nur Marinekampftaucher.“
Der Zweck wird erfüllt Loretta hat in ihrem „Einkaufssammelnetz“ unter anderem einen Unterteller vom „Bayerischen Hof“ ans Tageslicht geholt. Hier sind die Besitzverhältnisse
also schnell geklärt.
Denn die Veranstalter mussten der
Polizei versprechen, dass alles, was
aus dem See gesammelt und gefischt
wird, gesichtet und, wenn irgendwie
möglich, an den Besitzer zurückgegeben
wird. Die Nacht bricht herein.
Aber das macht nichts; denn das THW
hat schweres Gerät aufgefahren, leuchtet das Hafenbecken so gut aus,
dass es beinahe taghell bleibt. Wer
seinen Tauchgang beendet hat, kann
sich im Zelt der Feuerwehr umziehen
und warm duschen.
Reiner Eenhuis, der sich seinen
Partnern Alexandra und Nikolaus Epple
von der Tauchakademie Bodensee
in Kressbronn/Gohren den Diving Day
ausgedacht hat, motiviert die Taucher,
die spärlichen Zuschauer – und wohl auch sich selbst – tapfer. Sinn
und Zweck des Diving Days seien erfüllt.
„Wir wollen unserer Umwelt zuliebe
noch mehr solche Operationen
starten. Lindau ist die Keimzelle dieser
Umweltschutzaktionen, die rund um
den Bodensee und darüber hinaus gehen
sollen!“ Richtige Wertgegenstände
werden keine geborgen – und auch die vermissten Dritten haben niemanden angelächelt...
„Dunkel, kalt, dreckig – also echtes Abenteuer!“
Für den ersten „Unterberger Diving
Day“ am Samstag sind vom THW, von der Wasserwacht und dem Rettungsdienst
des Bayerischen Roten Kreuzes und von der Freiwilligen Feuerwehr Lindau jeweils rund 15 Mann ehrenamtlich im Einsatz gewesen.
Sie haben die Veranstaltung mit ihrem
Wissen, ihren Erfahrungen und ihren technischen Möglichkeiten begleitet
und viele Stunden in der Kälte
ausgeharrt. Außerdem haben Wasserschutzpolizei, Prolindau und die
Stadt die Veranstalter unterstützt
und sehr viele Mitarbeiter des Autohauses sich ehrenamtlich in den
Dienst der guten Sache gestellt. „Ohne
diese Hilfe wäre diese Umweltaktion
nicht möglich gewesen“, sagt
Reiner Eenhuis.
Bundesweit gibt es übrigens 360.000 Taucher, und jedes Wochenende steigen rund um den Bodensee etwa 3000 Taucher ins dunkle Nass – außer in den bayerischen Teil des Bodensees. Da ist Tauchen komplett verboten. Beim ersten „Unterberger Diving Day“ waren vor allem
Sporttaucher aus der Region beteiligt,
von Langenargen bis Ravensburg.
Auch ein paar Schweizer und
Österreicher waren dabei.


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